König Fußball – ein Textbeitrag, der mir noch auf der Palette brennt

Wenn ich in diesen Tagen meinen Computer öffne, werde ich sogleich aufgefordert, mich mittels Fussballdekorationen als Fan zu identifizieren. Das ist für mich natürlich völlig absurd. Denn ich bin keiner. 
Dabei geht es mir nicht darum, mich nicht mit Ballsport in all seinem Spass zu identifizieren, sondern keinesfalls mit einem Massenhype zu symphatisieren, ja, diesen mit all meinen „Freunden“ zu bewerben, der keinen weiteren Sinn hat, als eine gewaltige Kapitalspritze der Fussballindustrie zu befriedigen,  
Massen von Fans zu stimulieren, deren Sport vor alle darin besteht, sich trinkend und pöbelnd danebenzubenehmen – im schlechten Fall. Im Guten kaufen sie Fanartikel und jubeln über Grillwürsten. Wie aber kann ich einer Meisterschaft korrupter Funktionäre in einem Land zujubeln, dass Homosexuelle verfolgt, einsperrt, foltert und sogar bisweilen ermordet? Ein Land, indem Künstler, Intellektuelle unterdrückt werden? Auf dessen Befehl abertausende Hunde und Katzen erschlagen, vergiftet wurden, damit der Jubeltourist nicht sieht, das man sie hungern lässt? Das Blut der tausend armen Hunde von Sotschi ist in meiner Erinnerung noch nicht getrocknet, da wird auf frischem Leid gekickt. Mir ist bewusst, selbst wenn in Russland Gaskammern gebaut würden, nähme der Fussballspass nicht ab. Es ist dem Spasstrunkenen egal, wo er auf den Boden spuckt, weltweit. Gerade weil ich die Schönheiten Russlands schätze, Landschaft und Kultur und mich dem kommunistischen Gedanken nicht fern fühle, gerade deshalb graut mir vor dieser Veranstaltung besonders. 
 
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Baum der Erkenntnis

Baum der Erkenntnis

Kunst darf alles. Darf packen, langweilen, dekorieren, verstören, fragen oder trösten, ekeln oder freuenmachen. Kunst ist frei.
Alle Schaffenden suchen darin eine eigene Sprache, Konzept und Intension einzubringen. Die meine ist es, kluge Bilder zu malen. Solange die Menschen so töricht sind, ich eingeschlossen, und ich malen und leben darf . Dazu verwende ich die Verlockungen des Handwerks, strahlende Farben, witzige Titel, Sinnlichkeit oder die Hoffnung auf Trost. Mit durchtriebener Pinselspitze nehme ich meine Zeit mit auf die Reise in die Zukunft, die nach Rechtfertigung fragen wird. Sicherlich werden meine Verstandesbetörungen als illustrativer Manierismus beiseite gelegt, meine Weiblichkeit zur Urheberin verurteilt sein. Es wird mir, auch posthum, recht sein, denn die patriarchale Betrachtung der Kunstgeschichte hat sich mir schon zu Malzeiten in ihrer kapitalistischen Verteidigung von Pfründen als Lügenkonstrukt offenbart, auch mit einigen Quotenfrauen als Verpackung, bei denen die malende Männlichkeit elegant dafür gesorgt hat, dass sie ungefährlich blieben, wenn die Pfründe verteilt wurden. Es vermag mich nicht zu beirren, es motiviert meinen Mut, verwöhnt meine Ansprüche.
Und so macht mein Baum der Erkenntnis nicht nackt, er zeigt uns als Narren. Das macht mir Adam und Eva, auf unsere Weltentwicklung bezogen, glaubwürdiger als der Blick einer männlichen Gottheit auf eine weibliche “Scham”. Oder liegt sie schon da, die Verurteilung der einen Menschheitshäfte, als Apfel im Schoß der Männlichkeit? Damals, als der männliche Part gottgefällig, etwas dümmlich verführbar oder eben ein Mörder war und die weibliche Seite zur Verführerin zum Gebären unter Schmerzen verurteilt wurde? Wie ein Manifest weist diese Uridee bereits der Kunstgeschichte den einzuschlagenden Weg. Ihre Akzeptanz wurde inquisitorisch verfolgt. Genau hier nimmt meine Pinsel die Spur auf . Hier schaue ich hin und lasse den Baum ein wenig verrotten, gleiche die Narren einander an. Es macht mich zufrieden, meiner Zeit etwas zu erwidern.Bilder 2

Schall und Rauch

 
Schall und Rauch
Am Anfang steht die Ruhe, die Fläche der Nebel. Eine Einladung, den BetrachterInnen Raum und Zeit zu einem eigenen Einstieg zu ermöglichen. Meine Intentionen, die dabei keine Rolle spielen sollen, stehen nur in den seitlichen Kulissen bereit. Ähnlich den TänzerInnen, die sich für ihren Auftritt warm machen, aber noch nicht an der Reihe sind und ungeduldig warten, bis das Szenenbild für sie bereit ist.  
Sodann dringen die Nebel herein, die uns zu gern blind machen, Konsum, Erfolg, Ruhm, Schönheit, Anerkennung – die Vorhänge der Eitelkeiten, so unbeschreiblich nichtig. Nichts haben wir, nichts werden wir behalten, wozu also des Lebens Aufwand noch? Was bleibt, ist das Lächeln, das Lieben, das Geschützte, das noch eine Weile besteht, wenn wir uns schon abwenden. Jede gereichte Hand erreicht eine Andere, jedes Nichtgetretene kann ausschlagen und wachsen.
Die Ebenen, ähnlich dem Aufbau von Renaissance Bildern, lassen keine  Farbperspektive gelten, sie beharren darauf, gesehen zu werden, wenn zerschmetterte Bauten zu Schlössern werden, weil wir sie mit Inhalten und Zuneigung pflegen. 
Wir besitzen den reichen Schatz eines Meeres von Vergessenheit, Dinge oder Gedanken, Kulturen oder Erinnerungen zu bergen und durch Sichtbarmachung neu zu beleben, zum Schutz vor eigener Dummheit hervorzuzeigen. 
Das Bild entstand in meinem Kopf, wie jedes andere auch,  lauerte dort, um gemalt zu werden. Die Gedanken kamen bei dem Betrachten von Bildern im DRK-Museum in Vogelsang, deren Botschaft mich berührt hat: Mit der Freude am Miteinander ist zu lindern, ist hinzusehen leichter und, letztlich vergeht diese Energie nicht in Schall und Rauch. In ihren Raffinerien der Gemeinschaft entstehen mehr Düfte als Qualm, mehr Wolkenbilder als Smog, bildet sich ein Lebensentwurf geistiger Lust, ja, die gibt es!  
 
Schall und Rauch
 
 
Schall und Rauch
Öl auf Leinwand
200 x 140 cm